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Pflege & Medizin

Fachkräftemangel in der Pflege: zwischen 280.000 und 690.000 fehlenden Kräften liegt eine Entscheidung

Der Fachkräftemangel in der Pflege hat eine Zahl, die alles sagt — und eine Spanne, die noch mehr sagt: Das Statistische Bundesamt rechnet bis 2049 mit 280.000 bis 690.000 fehlenden Pflegekräften. Die Spanne ist kein Messfehler — sie ist der Unterschied zwischen zwei Szenarien. Und was diese Szenarien trennt, entscheidet sich nicht in Berlin, sondern in den Einrichtungen: bei Verweildauer, Arbeitszeit und der Frage, wie viele Pflegekräfte im Beruf bleiben.

Aktualisiert am 20. August 2026 · 9 Minuten Lesezeit

Pflegekraft bei der Versorgung eines Patienten

Fachkräftemangel in der Pflege: die Zahlen bis 2049

Der Bedarf an erwerbstätigen Pflegekräften steigt laut Statistischem Bundesamt von 1,62 Millionen im Jahr 2019 um rund ein Drittel auf 2,15 Millionen im Jahr 2049. Je nach Szenario fehlen dann 280.000 oder 690.000 Pflegekräfte.

280.000
fehlende Pflegekräfte bis 2049 in der Trend-Variante
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegekräftevorausberechnung
690.000
fehlende Pflegekräfte bis 2049 in der Status-quo-Variante
Quelle: Statistisches Bundesamt
+33 %
Bedarfsanstieg von 1,62 Mio. (2019) auf 2,15 Mio. Pflegekräfte (2049)
Quelle: Statistisches Bundesamt
1,46 Mio.
Pflegekräfte blieben 2049 übrig, wenn sich außer der Demografie nichts ändert
Quelle: Statistisches Bundesamt, Status-quo-Variante

Die Bundesagentur für Arbeit führt Pflege- und Gesundheitsberufe in ihrer Engpassanalyse an erster Stelle der betroffenen Bereiche. Insgesamt gelten 163 von rund 1.200 bewerteten Berufsgattungen als Engpassberufe.

Und der Trend läuft auch dann weiter, wenn die Konjunktur schwächelt. Das IW Köln beschreibt für 2026 ein gespaltenes Bild: Entspannung in konjunkturabhängigen Bereichen, weiter wachsende Engpässe in Pflege, Erziehung und Sozialberufen. In der Kinderbetreuung war zuletzt fast jede zweite offene Stelle rechnerisch nicht besetzbar, in der Sozialarbeit rund 60 Prozent.

Für eine Einrichtung heißt das: Auf eine Marktentspannung zu warten, ist keine Strategie. Der Pflegearbeitsmarkt folgt der Demografie, nicht dem Auftragseingang.

Fachkräftemangel in der Pflege: was die beiden Szenarien unterscheidet

Die Status-quo-Variante rechnet nur die Demografie fort: Dann sinkt die Zahl der Pflegekräfte bis 2049 auf 1,46 Millionen. Die Trend-Variante unterstellt zusätzlich positive Entwicklungen am Pflegearbeitsmarkt — dann steigt sie auf 1,87 Millionen. Der Unterschied von rund 410.000 Kräften entsteht durch Berufsverbleib, Arbeitszeit und Berufseinstiege.

Das ist der wichtigste Satz dieser Statistik, und er geht meistens unter: Die 690.000 sind kein Schicksal, sondern das Ergebnis davon, dass sich außer der Bevölkerungsstruktur nichts ändert.

Die Faktoren, die die Trend-Variante möglich machen, liegen genau dort, wo Arbeitgeber wirken: Wie viele Pflegekräfte bleiben im Beruf, statt nach einigen Jahren auszusteigen? Wie viele arbeiten in einem Stundenumfang, den sie durchhalten? Wie viele Menschen entscheiden sich überhaupt für eine Ausbildung in der Pflege?

Keine Einrichtung verschiebt diese Zahlen allein. Aber jede Einrichtung entscheidet für ihre eigenen Leute mit, in welchem Szenario sie landet. Die Fluktuation, die du verhinderst, ist die Stelle, die du nicht ausschreiben musst.

Warum Pflegekräfte nicht über Stellenportale zu erreichen sind

Examinierte Pflegekräfte sind praktisch nie längere Zeit arbeitslos. Wer wechselt, wechselt aus einer Anstellung heraus — und diese Gruppe liest keine Stellenanzeigen, sondern reagiert auf einen konkreten Eindruck von einem anderen Haus.

Die Bundesagentur für Arbeit hat das Grundmuster für den Gesamtmarkt beziffert: 2024 lag knapp die Hälfte aller gemeldeten Fachkraft-Stellen in Engpassberufen, aber nur ein Viertel der arbeitslosen Fachkräfte suchte in einem solchen Beruf. In der Pflege ist dieses Verhältnis besonders ausgeprägt.

Praktisch bedeutet das: Die Anzeige konkurriert mit allen anderen Anzeigen um dieselbe kleine Gruppe. Wer die andere, viel größere Gruppe erreichen will — die Pflegekräfte, die aktuell angestellt sind und über einen Wechsel nachdenken —, muss dort auftauchen, wo diese Menschen nach dem Spätdienst unterwegs sind.

Was diese Gruppe interessiert, ist konkret und selten das Gehalt allein: Wie ist der Dienstplan, wie zuverlässig ist er, wie viele Kolleginnen sind pro Schicht da, wie läuft die Einarbeitung, und wie geht die Leitung mit Fehlern um. Genau darüber schweigen die meisten Stellenanzeigen.

Was eine Recruiting-Kampagne in der Pflege anders machen muss

In der Pflege entscheidet Glaubwürdigkeit. Wer Dienstplansicherheit, Teamgröße und Einarbeitung konkret zeigt, gewinnt Bewerbungen. Wer mit Floskeln über Wertschätzung wirbt, bekommt Absagen von Menschen, die genau diese Sätze schon dreimal gehört haben.

Pflegekräfte sprechen, nicht die Geschäftsführung

Eine examinierte Kraft, die erzählt, wie ihr Frühdienst wirklich abläuft, ist überzeugender als jedes Leitbild. Bewerber erkennen sofort, ob jemand aus dem Alltag spricht oder eine Botschaft aufsagt.

Konkret statt allgemein

Wie viele Bewohner pro Kraft im Spätdienst? Wie lange ist die Einarbeitung? Wie weit im Voraus steht der Dienstplan? Antworten auf diese Fragen bringen mehr Bewerbungen als jede Aufzählung von Benefits.

Auf Schichtzeiten ausgespielt

Die Zielgruppe ist nicht um 11 Uhr vormittags am Handy, sondern nach dem Dienst. Die Ausspielung lässt sich darauf einstellen — das kostet nichts extra und verändert die Reichweite spürbar.

Bewerbung ohne Unterlagen

Ein kurzer Fragebogen zu Qualifikation, gewünschtem Stundenumfang, Wunschbereich und frühestem Starttermin. Wer ein PDF und ein Anschreiben verlangt, verliert genau die Kandidatinnen, die nur kurz Interesse hatten.

Nichts versprechen, was der Dienstplan nicht hält

Die Pflege ist eine kleine Welt. Eine Kampagne, die mehr verspricht als die Realität, produziert Kündigungen in der Probezeit und einen Ruf, den man nur schwer wieder loswird.

Ehrlich bleiben: was Recruiting nicht löst

Recruiting verschafft dir Bewerbungen. Es ersetzt keine tragfähige Personalplanung und repariert keine Arbeitsbedingungen, wegen derer Leute gehen.

Wenn in einer Einrichtung jede zweite neue Kraft innerhalb eines Jahres wieder kündigt, ist mehr Reichweite die teuerste mögliche Antwort. Dann füllst du oben nach, was unten herausläuft — und zahlst für jede Einstellung zweimal.

Deshalb schauen wir uns vor einer Kampagne immer zuerst zwei Zahlen an: Wie hoch ist die Fluktuation, und wie lange bleiben neue Kräfte? Wenn diese Zahlen ungesund sind, ist die erste Maßnahme keine Kampagne, sondern ein ehrliches Gespräch darüber, was Bewerber im Haus erwartet.

Das ist unbequem und kostet uns gelegentlich einen Auftrag. Es ist aber der einzige Weg, bei dem am Ende jemand bleibt.

Fachkraft bei der Versorgung eines Patienten
Empfang einer medizinischen Einrichtung
Team einer Einrichtung

Aus der Praxis

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Die Privatklinik über internationale Sichtbarkeit durch Bewegtbild.

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Fazit

Bis 2049 fehlen in der Pflege zwischen 280.000 und 690.000 Kräfte. Welcher der beiden Werte eintritt, hängt nicht von der Demografie ab — die ist in beiden Szenarien gleich —, sondern davon, wie viele Menschen im Beruf bleiben und in welchem Umfang sie arbeiten.

Für eine einzelne Einrichtung folgt daraus eine klare Reihenfolge: erst die Leute halten, die da sind, dann sichtbar werden bei denen, die einen Job haben und über einen Wechsel nachdenken. Stellenanzeigen erreichen weder die eine noch die andere Gruppe.

Wenn du wissen willst, wo bei dir der größere Hebel liegt — Bindung oder Gewinnung —, sprich 15 Minuten mit uns. Wenn es die Bindung ist, sagen wir das auch.

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Häufige Fragen

Wie viele Pflegekräfte fehlen in Deutschland?+

Nach der Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes fehlen bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte. Der Bedarf steigt in diesem Zeitraum von 1,62 Millionen erwerbstätigen Pflegekräften im Jahr 2019 um rund ein Drittel auf 2,15 Millionen.

Warum ist die Spanne von 280.000 bis 690.000 so groß?+

Weil es zwei Szenarien sind. Die Status-quo-Variante schreibt ausschließlich die demografische Entwicklung fort, dort sinkt die Zahl der Pflegekräfte bis 2049 auf 1,46 Millionen. Die Trend-Variante berücksichtigt zusätzlich positive Entwicklungen am Pflegearbeitsmarkt, etwa längeren Berufsverbleib und mehr Berufseinstiege, und kommt auf 1,87 Millionen.

Was können Einrichtungen selbst gegen den Pflegekräftemangel tun?+

Am meisten bringt die Bindung der vorhandenen Kräfte: verlässliche Dienstpläne, tragfähige Besetzung pro Schicht, eine belastbare Einarbeitung und Führung, die im Alltag ansprechbar ist. Danach folgt die Gewinnung — und zwar bei Pflegekräften, die aktuell angestellt sind, nicht bei den wenigen arbeitslos gemeldeten.

Funktioniert Social Recruiting in der Pflege?+

Ja, wenn die Inhalte konkret sind. Was zieht, sind Antworten auf die Fragen, die Pflegekräfte tatsächlich stellen: Dienstplansicherheit, Teamgröße im Spätdienst, Einarbeitungsdauer, Umgang mit Ausfällen. Allgemeine Wertschätzungsbotschaften wirken in dieser Zielgruppe eher gegenteilig.

Warum bekommen wir auf unsere Stellenanzeigen kaum Bewerbungen?+

Weil examinierte Pflegekräfte selten arbeitslos sind und Anzeigen fast nur aktiv Suchende erreichen. Die Bundesagentur für Arbeit zeigt für 2024, dass knapp die Hälfte der gemeldeten Fachkraft-Stellen in Engpassberufen lag, aber nur ein Viertel der arbeitslosen Fachkräfte dort suchte. Die relevante Gruppe hat einen Job.

Lohnt sich eine Kampagne bei hoher Fluktuation?+

Meist nicht als erste Maßnahme. Wenn viele neue Kräfte im ersten Jahr wieder gehen, füllt eine Kampagne nur nach, was gleichzeitig abfließt — und du zahlst pro Stelle mehrfach. Sinnvoller ist es, zuerst die Gründe für die Austritte zu klären und danach zu werben.

Der erste Schritt ist ein Gespräch — keine Präsentation

In 15 Minuten klären wir, was du gewinnen willst — Aufträge oder Mitarbeiter — und ob unser Weg zu deinem Betrieb passt. Du bekommst eine Einschätzung, die du auch ohne uns nutzen kannst.